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Abgeschlossen: EIP-Robustpute

– Entwicklung einer wirtschaftlichen Öko-Putenkreuzung für den direkt vermarktenden Landwirt

Laufzeit: 2019 bis 2022
Förderer: EU und Land Niedersachsen
Rolle des KÖN: Projektkoordination

Ausgangslage

Die konventionelle Mastpute ist auf maximale Tageszunahmen ausgelegt. Innerhalb von rund 20 Wochen erreichen die Tiere ihr Schlachtgewicht. Dieses intensive Wachstum bedingt hohe Anforderungen an Fütterung, Stallklima und Management.

Die Folge: Putenaufzucht und -mast sind weitgehend spezialisierten Betrieben vorbehalten. Für kleinbäuerliche Strukturen, extensive Haltungsformen und Direktvermarktung ist die heutige Hochleistungspute nur eingeschränkt geeignet.

Projektansatz

In Niedersachsen haben sich Landwirte, Biologen, Tierärzte und landwirtschaftliche Berater zusammengeschlossen, um über drei Jahre die Grundlage für eine neue Zuchtlinie zu entwickeln: die Robustpute.

Ziel ist eine Pute, die:

  • in extensiver Freilandhaltung leistungsfähig bleibt,
  • robuste Gesundheitseigenschaften mitbringt,
  • wirtschaftlich vermarktbar ist,
  • und zugleich in kleinstrukturierte Betriebe integrierbar bleibt.

Zuchtziele

Die Robustpute soll folgende Merkmale vereinen:

  • Hohe Vitalität und Stressresistenz in der Freilandhaltung
  • Umgängliches Verhalten
  • Ausgeprägtes Futtersuchverhalten
  • Genügsamkeit in der Fütterung
  • Frühreife mit Endgewicht nach ca. 30 Wochen
  • 5–6,5 kg Endgewicht (Hennen)
  • 7–8,5 kg Endgewicht (Hähne)
  • Mindestens 65 % Ausschlachtung
  • Mindestens 25 % Brustfleischanteil

Damit wird ein Kompromiss zwischen Robustheit, Tierwohlorientierung und Wirtschaftlichkeit angestrebt.

Zuchtstrategie: Nutzung genetischer Ressourcen

Ausgangspunkt sind kleinwüchsige Mastputen verschiedener Herkünfte sowie alte Rassen wie die Cröllwitzer Pute und die Ronquières Pute.

Zuchtlogik:

  • kleinwüchsige Mastputen liefern geringe Körpergröße, Frühreife und Fleischansatz.
  • alte Rassen bringen Vitalität, Anpassungsfähigkeit und Robustheit ein.
  • Erfolgreiche Kreuzungen werden selektiert, wiederholt und systematisch weiterentwickelt.

Die Ronquières Pute gilt als sehr vital, weist jedoch einen geringen Fleischansatz auf.
Die Cröllwitzer Pute wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Halle auf Fleischqualität und Wirtschaftlichkeit gezüchtet. Sie steht heute auf der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen.

Teilprojekt: Ammenaufzucht

Die Aufzucht von Putenküken ist arbeitsintensiv und kostenrelevant.

Im Projekt wird untersucht, ob die Führung der Küken durch Putenammen Vorteile hinsichtlich Verhalten, Stressreduktion und Robustheit bietet. Mitarbeitende der Tiermedizinischen Hochschule Hannover vergleichen systematisch:

  • Küken mit Ammenaufzucht
  • Küken mit Handaufzucht

Bewertet werden Verhaltensparameter, Sozialverhalten und Anpassungsfähigkeit.

Projektlaufzeit

2019 – Dezember 2022

Projektbeteiligte

  • Projektkoordination: KÖN
  • Zucht und Aufzucht: Christine Bremer, Landwirtin
  • Alte Putenrassen: Dr. Jürgen Güntherschulze, Zoologe
  • Verhaltensbeobachtungen: Dr. Jenny Stracke, Verhaltens- und Neurobiologin
  • Putenmast: Hof Koch, Biohof Wildung, Reinhard Böhner-von-Rüden, Wendland Geflügel
  • Schlachtung: Bauckhof Fleischmanufaktur
  • Öko-Fachberatung: Öko-Fachberatung Niedersachsen, Naturland Fachberatung, Bäuerliche Gesellschaft – Demeter im Norden
  • Presse: Ulrike Hoffmeister

Ansprechpartnerin:

Sara Kuschnereit

Prokuristin
Projektleiterin

E-Mail: s.kuschnereit@oeko-komp.de
Mobil: 0152 561 735 36