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Abgeschlossen: Innovativer Herdenschutz

Von 2022 bis 2025 bearbeitete das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) das von der EU und dem Land Niedersachsen geförderte Projekt „Innovativer Herdenschutz“. Informationen zum Alarmhalsband erteilt die Pironex GmbH, Tel. 0381-7006080.

Laufzeit: 2023 bis 2025
Förderer: EU und Land Niedersachsen
Rolle des KÖN: Projektkoordination

Schäfer und Wissenschaftler treffen sich am 30. März 2023 zu einem ersten Online-Workshop, um zu diskutieren, woran die Fluchtbewegung eines Schafes erkennbar ist. Geplant sind zwei Vorträge über das Verhalten von Schafen und eine anschließende Diskussion. Die Erkenntnisse daraus sollen in die Halsbandfertigung einfließen.

Ein zweiter Workshop wird Ende April/Anfang Mai 2023 ebenfalls online stattfinden. Thema wird die „Vergrämung des Wolfs“ sein. Ein dritter Workshop ist im Herbst 2023 geplant. Dessen Thema steht noch nicht fest.

Ergebnisse des 1. Workshops fließen in das Projekt ein

Vom ersten Schafs-Workshop, bei dem es um das Fluchtverhalten von Schafen ging, werden die Ergebnisse jetzt in den Bau des Alarmhalsbandes einfließen. Eine Frage war, woran sich erkennen lässt, ob ein Wolfsangriff bevorsteht. Schäfer, die am Workshop teilnahmen, berichteten, wie ihre Schafe Unruhe zeigen. Der Techniker im Projekt ist zuversichtlich, dieses Verhalten nutzen zu können. Das südafrikanische Alarmhalsband, das für dieses Projekt als Vorbild dient, löste das Alarmhalsband nach fünf schnellen Schritten des Schafes aus.
An dem Workshop nahmen rund 20 Schäferinnen und Schäfer teil. In einem zweiten Workshop im Mai 2023, der ebenfalls online stattfinden wird, steht das Thema „Vergrämung des Wolfs“ auf dem Programm.

Präsentationen zum Herunterladen:
„Typische Verhaltensmerkmale des Schafes“, Katja Götz, Hessischer Verband für Schafzucht und -haltung
„Wie verhalten sich Schafe bei einem Angriff und wovon wird das Verhalten beeinflusst?“, Sven Lauke, Universität Gießen (Link, folgt)

Zweiter Workshop abgesagt

Es war geplant und angekündigt, dass es im Mai einen zweiten Workshop mit Schäfern und den Projektteilnehmern geben sollte. Thema sollte die „Vergrämung des Wolfs“ sein. Die angefragten Referenten haben jedoch abgesagt.

Umfrage zu Wolf und Weidehaltung

Die Universität Göttingen hat eine repräsentative Online-Umfrage unter Bürgern durchgeführt, um Näheres über ihre Einstellung zum Wolf, zur Weidehaltung und zu Schadensersatzzahlungen an Schäfer herauszufinden. Die Auswertung zeigt, dass die Befragten mehrheitlich die Daseinsberechtigung des Wolfes in Deutschland sahen. Ebenfalls stimmten sie zu, dass die Weidehaltung für die Tier und die Natur wichtig seien und dass Wolfsrisse eine emotionale Belastung der Schäferinnen und Schäfer bedeuteten. Fast 90 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass Schutzzäune und Herdenschutzhunde eingesetzt werden sollen. Auch einem Wolfsmanagement, bei dem Wölfe zum Abschuss freigegeben werden, der Artbestand aber gesichert bleibt, stimmten 70 Prozent der Befragten zu. Immerhin sind aber auch 15 Prozent der Befragten dafür, dass Wölf in Deutschland nicht frei leben sollten und deshalb alle Wölfe in Deutschland abgeschossen werden sollte. Dieser Wert erhöhte sich sogar auf 32 Prozent, wenn die Befragten sich vorstellten, dass drei Kilometer von ihrer Haustür entfernt eine Schafherde gerissen worden wäre.

Ultraschalltest ohne Reaktion

Im Wolfsgehege Dörverden teste ein Techniker die Wirkung von Ultraschall auf das Verhalten von zwei Wolfsgruppen. Das sollte Erkenntnisse darüber geben, ob Wölfe auf hohe Frequenzen in einem für Menschen und Schafe nicht wahrnehmbaren Bereich eine Reaktion zeigen. Die Wölfe wurden einer „zufälligen Frequenz im Bereich 21KHz – 23KHz sowie mit einer zufälligen Dauer von 0,5 s bis 1 s für insgesamt 10 Sekunden“ ausgesetzt. In keinem der drei Testläufe verhielten sich die Wölfe auffällig.

Fluchtverhalten von Schafen

Das Projekt wird sich in seinem dritten und letzten Jahr darauf konzentrieren, das Fluchtverhalten von Schafen unter verschiedenen Bedingungen zu erfassen. Dabei soll sowohl das Gelände, als auch das Verhalten verschiedenen Schafrassen berücksichtigt werden. Ziel ist es, den Schäfer per App zu alarmieren, wenn das Verhalten seiner Schafe auf einen Wolfsangriff schließen lässt. Die ursprünglich geplante Vergrämung des Wolfs durch akustische und optische Signale des Halsbandes wurde verworfen. Es finden sich in der Literatur keine Belege dafür, dass Ultraschall auf Wölfe abschreckend wirkt. Die Literaturliste hat Flora Sophie von Steimker, Universität Göttingen, zusammengestellt, Stand Juni 2024.

 

Titel Autoren, Jahr, Land Thema
Non-lethal alternatives for predation management Shivik; 2004 nicht-tödliche Möglichkeiten zur Vergrämung
Nonlethal Techniques for Managing Predation: Primary and Secondary Repellents Shivik; 2003 Wirkung MAGs
Elektronik zum Schutz von Weidetieren Mathias & Czerkus; 2020; Deutschland keine Audiogramme von Wölfen zur Verfügung, aber vermutlich bis 45.000 Hz
Wie lassen sich Nutztierübergriffe durch Wölfe nachhaltig minimieren? – Eine Literaturübersicht mit Empfehlungen für Deutschland * Reinhardt et al. 2023; Deutschland Zusammenfassung wirksamer Herdenschutzmaßnahmen: Schwerpunkt auf non-letale Maßnahmen
Untersuchung verschiedener Nutztier-Herdenschutz-maßnahmen auf Wirksamkeit unter Einbeziehung von Gehegewölfen als Probanden** Faß 2018; Deutschland
Der Wolf und die hohen Töne: Ultraschall zum Schutz von Weidetieren Mathias&Czerkus 2020 Audiogramme und Hörvermögen Wolf, Ultraschalltöne
Adaptive use of nonlethal strategies for minimizing wolf-sheep conflict in Idaho Stone et al; 2017; USA Nutzung Abschreckungsmaßnahmen optimalerweise nur in gefährdeten Phasen; technische und ökonomische Unterschiede der Abschreckungsmittel
Effectiveness of contemporary techniques for reducing livestock depredations by large carnivores Miller at al; 2016 Abschreckungsmaßnahmen bieten größtes Schutzpotenzial (50-100% Effektivität), aber Gefahr der Habituation -> negativer Zusammenhang Effektivität und Wirkkungsdauer
Non-lethal radio activated guard for deterring wolf depredation in Idaho: Summary and call for research Breck et al; 2002; USA Wirkung RAGs (Blitzlichter und Geräusche jeglicher Art als Vergrämung)
Electronic frightening devices for reducing coyote predation on domestic sheep: Efficacy under range conditions and operational use Linhart et al; 1992 Reduktion Schafverluste um 60% bei regelmäßiger Aktivierung von Blitzlichtern und Sirenen
The effectiveness of livestock protection measures against wolves (Canis lupus) and implications for their co-existence with humans Bruns et al; 2020 Abschreckungsmittel sehr effektiv, aber Gefahr der Habituation
Vergrämungsmaßnahmen AGRIDEA, 2016b AlarmGuard Geräte mit 130db Schalldruck bei Sirenentönen und Blitzlichtern können effektiv schützen laut Herstellerangaben
Protecting livestock while conserving ecosystem function: Non-lethal management of wild predators van Bommel & Johnson; 2014; Norwegen chemische Abschreckungsmittel haben keine nachgewiesene Wirkung
Possibilities of olfactory and acoustic deterrence of the wolf (Canis lupus) at traffic infrastucture: First results from a study in an enclosure Polster et al; 2014; Versuch zu akustischer Vergrämung; white noise effektivste Abschreckung; Habituation
When strange bedfellows go all in: A template for implementing non-lethal strategies aimed at reducing carnivore predation of livestock Young et al; 2019 Fladrys als Notfalltool kurzfristig geeignet
M175-Wolfsvergrämer Kemo Electronic GmbH; 2023 Ultraschall: 24-26,25 kHz bei 130 dB besonders wirksam in Versuchen
Testing fladry as a nonlethal management tool for wolves and coyotes in Michigan Davidson-Nelson & Gehring; 2010; USA Wirkung Fladrys
Gutachterliche Stellungnahme zu den Auswirkungen von rückkehrenden Wölfen auf Landwirtschaft und traditionelle Weidehaltung, Freizeit- und Erholungswirtschaft, Jagd- und Forstwirtschaft sowie Biodiversität im Ostalpenraum Hackländer et al; 2019; Österreich Kombination versch. Maßnahmen erhöht Schutzwirkung; z.T. sozioökonomische und technische Herausforderungen bei primären Herdenschutzmitteln

* www.lupus-institut.de/Publikationen/wissenschaftlpublikationen.html?file=files/Downloads/Wissenschaftliche%20Publikationen/2023_Reinhardt%20etal_Wie_lassen_sich_Nutztierubergriffe_durch_Wolfe_nachhaltig_minimieren_BookChapter.pdf

Alarm aber keine Vergrämung

In diesem Jahr endet das Projekt um das Alarmhalsband und viele Hoffnungen, die mit ihm verbunden waren, haben sich zerschlagen: Es konnte in einem Versuch nicht erkannt werden, dass Gehegewölfe auf Ultraschall reagieren und optische Signale des Halsbandes drangen nicht durch die dichte Wolle der Schafe. Das Halsband konzentriert sich jetzt auf drei Funktionen:

  1. Ein Bewegungssensor soll das Fluchtverhalten von Schafen erkennen.
  2. Dieses Verhalten soll ein Sender an eine Basisstation auf der Weide übermitteln.
  3. Die Basisstation mit Internetverbindung soll dann den Schäfer per App informieren.

In den letzten Monaten des Projektes soll die Interpretation des Schafverhaltens verbessert werden. Einflüsse von Wetter, Rassen und Gelände sollen berücksichtigt werden, um die Anzahl der Fehlalarme zu reduzieren.

Vorteile des Halsbandes:
Es ist leicht, benötigt wenig Energie und muss deshalb nur bei der turnusmäßig anstehender Schafsschur ausgetauscht werden.

Rolle des KÖN

  • Koordination des Projektes
  • Beratung von Landwirten

Ergebnisse

In diesem Jahr endet das Projekt um das Alarmhalsband und viele Hoffnungen, die mit ihm verbunden waren, haben sich zerschlagen: Es konnte in einem Versuch nicht erkannt werden, dass Gehegewölfe auf Ultraschall reagieren und optische Signale des Halsbandes drangen nicht durch die dichte Wolle der Schafe. Das Halsband konzentriert sich jetzt auf drei Funktionen:

  1. Ein Bewegungssensor soll das Fluchtverhalten von Schafen erkennen.
  2. Dieses Verhalten soll ein Sender an eine Basisstation auf der Weide übermitteln.
  3. Die Basisstation mit Internetverbindung soll dann den Schäfer per App informieren.

Projektwebseite: www.eip-herdenschutz.de

Projektbeteiligte

  • KÖN
  • Bundesverband der Berufsschäfer, Ruth Schrick-Richter
  • Phillippe Jaeger, Schafhalter
  • Ulrike Kruse, Wolfsberaterin
  • Silas Neuman, Wolfsberater
  • pironex GmbH, Rico Wunder
  • Ulrike Hoffmeister, Journalistin
  • Universität Göttingen, Flora Sophie von Steimker

Projektlaufzeit

2023 – 2025

Ansprechpartnerin: